Eine Etage Altbau ist nicht eine Etage Siedlungshaus
Krefeld hat rund 227.000 Einwohner und heißt Samt- und Seidenstadt, weil der Textilhandel die Stadt reich gemacht hat. Gebaut hat dieser Reichtum die Viertel an den Wällen: Häuser mit Deckenhöhen, die heute kaum jemand mehr errichten lässt, hohen Türen und breiten Treppen aus Naturstein.
Zum Tragen ist das zunächst angenehm. Ein zweitüriger Schrank schwingt frei, ein Sofa muss nicht über den Handlauf gehoben werden, und wo in einer Zechensiedlung gedreht und gekantet wird, geht in Krefeld das Stück einfach durch. Der Preis dafür steckt in der Höhe: Vier Krefelder Geschosse haben etwa so viele Stufen wie fünf Moerser, und ein viertes Obergeschoss gibt es in den Siedlungen überhaupt nicht.
Für die Schätzung heißt das: Wir zählen keine Etagen, wir zählen Stufen und Gänge. Eine Dreizimmerwohnung im dritten Obergeschoss braucht mit zwei Kräften selten unter sechs Stunden. Eine dritte Kraft kostet ab 23 € je Stunde und holt in so einem Haus meist mehr heraus, als sie kostet.
Ein weiterer Unterschied ist der Hof. Viele Gründerzeithäuser haben ein Vorder- und ein Hinterhaus und dazwischen eine Durchfahrt, die für ein Fahrzeug zu schmal ist. Liegt die Wohnung im Hinterhaus, kommt dieser Weg zu jedem einzelnen Gang hinzu, und genau das wird beim Schätzen am häufigsten übersehen.
Hohe Räume bedeuten mehr Kubikmeter als gedacht
Wer aus einem Altbau auszieht, hat fast immer mehr Volumen als die Quadratmeter vermuten lassen. Hohe Räume werden hoch möbliert: Regale bis unter die Decke, Aufsatzschränke, große Bilder, Spiegel, Vorhangstangen in Längen, die in kein normales Auto passen.
Das verschiebt zwei Dinge. Erstens die Fahrzeuggröße: Der Kofferwagen mit einundzwanzig Kubikmetern kostet ab 48 € je Stunde und braucht bei Altbauwohnungen häufiger eine zweite Fuhre als bei gleich großen Wohnungen auf dem Land. Zweitens das Material. Für Bilder, Lampen und Spiegel nehmen wir Noppenfolie, die Rolle über fünfzig Meter kostet 15 €.
Leihkartons kosten 0,40 € je Stück und Woche und kommen einige Tage vor dem Termin ins Haus, die leeren holen wir danach ab. Für Kleidung lohnt die Kleiderbox, sie kostet 2,05 € je Stück und Woche: Die Sachen bleiben auf dem Bügel und hängen am Abend schon im neuen Schrank.
Uerdingen, Hüls, Fischeln und Oppum
Krefeld ist nicht nur Gründerzeit. Uerdingen liegt am Rhein und hat einen eigenen alten Kern, Hüls war lange selbstständig und ist dörflich geblieben, Fischeln und Oppum sind von Zeilenbau und Einfamilienhäusern geprägt. In diesen Stadtteilen sieht ein Umzug viel mehr aus wie bei uns am linken Niederrhein als in den Vierteln am Wall.
Für die Anfahrt macht das wenig Unterschied, weil die A57 an der Stadt entlangführt und die Abfahrten verteilt liegen. Für die Besetzung macht es viel: Zwei Kräfte und ein Transporter reichen in Fischeln oft aus, wo an einem Wall drei Leute und zwei Fuhren nötig wären.
Nennen Sie uns deshalb Stadtteil und Straße. Wir sagen Ihnen, welche Besetzung wir für richtig halten, und begründen sie am Haus und nicht an der Quadratmeterzahl.
Hüls und Uerdingen haben zudem alte Kerne mit schmalen Straßen, in denen dieselbe Frage auftaucht wie in jeder gewachsenen Ortsmitte: Wie weit kommt das Fahrzeug an den Eingang heran? Diese Frage klären wir vorab und nicht am Umzugsmorgen vor der verschlossenen Schranke.
Parkraum, der etwas kostet
In den innenstadtnahen Vierteln ist der Parkraum bewirtschaftet, dazu kommt Anwohnerparken. Beides bedeutet dasselbe: Die Fläche vor dem Haus ist morgens belegt, und zwar von Autos, deren Besitzer dafür bezahlt haben. Ohne Vorbereitung beginnt der Umzugstag dann mit einer Suche.
Wir klären vor dem Termin für beide Anschriften, wo das Fahrzeug stehen kann. Muss eine Fläche behördlich freigehalten werden, sagen wir Ihnen, was dafür nötig ist und welche Fristen gelten; die Gebühr der Behörde geben wir unverändert weiter, ohne Aufschlag.
Hilft das alles nicht, bleibt das kurze Fahrzeug. Zwölf Kubikmeter finden fast überall eine Lücke, und zwei Fuhren innerhalb der Stadt kosten weniger Zeit als eine halbe Stunde Suche mit dem großen Wagen.
Was wir nicht tun, ist eine Fläche zu versprechen, die uns nicht gehört. Wir sagen, was möglich ist, nennen die Fristen und richten den Zeitplan danach aus. Lieber fangen wir eine halbe Stunde früher an als mit einer Zusage zu arbeiten, die am Morgen nicht hält.
Was ein Krefelder Umzugstag braucht
Ein Altbauumzug lebt von der Reihenfolge. Zuerst gehen die Kartons, weil sie stapelbar sind und die Ladefläche tragen. Dann die zerlegten Möbel. Zuletzt das Sperrige, das obenauf liegen muss. Wer umgekehrt anfängt, lädt zweimal, und das sind verlorene Stunden.
Zerlegen ist in einem breiten Treppenhaus seltener nötig als in einer Siedlungstreppe, bei Schrankwänden und Hochbetten lohnt es dennoch immer. Die Kraft für Abbau und Aufbau kostet ab 27 € je Stunde und hat Bohrmaschine, Winkelsatz und Beschlagkiste dabei.
Und dann die Treppe selbst: Handläufe, Kanten und Natursteinstufen werden abgedeckt, bevor das erste Stück kommt. Ein Kratzer im Treppenhaus eines Gründerzeithauses ist teurer als jede Stunde, die das Abdecken vorher kostet.
Zuletzt der Papierkram, der am Umzugstag keine Zeit kosten soll. Wohnungsübergabe, Zählerstände und Protokolle gehören in die Stunden, in denen getragen wird, und nicht hinterher. Wir arbeiten weiter, während Sie das erledigen, und sagen Ihnen vorher, wann wir Sie für eine Unterschrift oder einen Schlüssel brauchen.