Leer heißt wirklich leer
Platz schaffen ist eine Sache, aufgeben eine andere. Bei einer Auflösung bleibt nichts: keine Gardinenstange, kein verklebter Teppichboden, keine Lampe an der Decke, kein Haken im Flur. Was die Hausverwaltung bei der Übergabe sieht, sind kahle Wände und ein gefegter Boden.
Deshalb dauert eine Auflösung länger als das Räumen einer gleich großen Fläche. Eine Dreizimmerwohnung in Moers ist ein ganzer Tag mit drei Kräften, manchmal zwei Tage - je nachdem, wie viel abmontiert werden muss.
Abmontiert wird dabei mehr, als die meisten erwarten: Lampen samt Dosenabdeckung, Gardinenschienen, Spiegel, Konsolen, Handtuchhalter, der Spiegelschrank im Bad, Haken und Dübel im Flur. Jedes dieser Teile sitzt in der Wand und hinterlässt eine Stelle, die bei der Abnahme angesehen wird. Beim Aufmaß gehen wir deshalb mit dem Blick nach oben durch die Räume, weil an Decken und Wänden fast immer etwas hängt, das in keiner Liste steht.
Was zur Mietsache gehört und was mit Ihnen geht
Der häufigste Irrtum vor einer Übergabe betrifft nicht den Hausrat, sondern die Grenze zwischen Wohnung und Eigentum. Alles, was ein Vormieter oder die Eigentümerin eingebaut hat, bleibt stehen: Innentüren, Einbauschränke, die Küchenzeile, wenn sie im Vertrag steht, Rollläden, Heizkörper, Klingelschild. Alles, was der Mieter selbst angebracht hat, muss weg, und zwar samt Spuren.
Genau an dieser Linie entstehen die Streitfälle. Eine selbst eingebaute Küche wird nicht automatisch Teil der Wohnung, nur weil sie schwer ist; eine gemietete Markise wird nicht Ihr Eigentum, nur weil Sie sie zwanzig Jahre bedient haben. Lesen Sie vor dem Räumtag die Übergabeklauseln im Vertrag, und wenn etwas unklar bleibt, fragen Sie schriftlich bei der Verwaltung nach. Eine Antwort per Mail hat am Abnahmetag mehr Gewicht als eine Erinnerung an ein Telefonat.
Uns hilft diese Klärung beim Angebot. Was raus muss, zählt zum Volumen, was bleiben soll, markieren wir vor dem ersten Griff. Im Zweifel lassen wir ein Stück stehen und fragen nach, statt es mitzunehmen: Ein Einbauschrank, der zur Wohnung gehörte und im Container liegt, ist ein Schaden, den niemand mehr zurückholen kann.
Vor dem Räumtag einmal durchgehen
- Bleibt: Innentüren, Einbauschränke, Heizkörper, Rollläden
- Geht: selbst gestellte Küche, eigene Lampen, eigener Bodenbelag
- Strittig: verklebter Teppich, Dübellöcher, gestrichene Türen
- Schriftlich klären: alles, was ein Vormieter zurückgelassen hat
Schlüssel, Zählerstände und das Vertragsende
Eine Übergabe scheitert selten am letzten Karton und oft an einem fehlenden Schlüssel. Zur Wohnung gehören Haustür, Wohnungstür, Keller, Briefkasten, manchmal Garage und Hoftor, dazu jeder Nachschlüssel, der je angefertigt wurde. Wir sammeln, was in der Wohnung liegt, in einem Beutel und legen ihn an die Stelle, an der nichts aus Versehen eingepackt wird.
Am Räumtag notieren wir außerdem die Zählerstände für Strom, Gas und Wasser und schicken die Fotos mit. Das dauert fünf Minuten und erspart Rückfragen, wenn Wochen später eine Abrechnung kommt. Unterlagen zum Mietverhältnis legen wir beiseite statt in den Container.
Zwei Kleinigkeiten retten dabei oft den Nachmittag: Das Namensschild an Klingel und Briefkasten gehört ab, und der Nachsendeauftrag sollte stehen, bevor die Wohnung leer ist. Beides dauert Minuten, fällt aber erst auf, wenn der Schlüssel längst zurückgegeben ist.
- Alle Schlüssel samt Nachschlüsseln kommen in einen Beutel
- Zählerstände werden notiert und fotografiert
- Unterlagen zum Mietverhältnis legen wir beiseite
- Persönliches kommt in eine Kiste und wird übergeben
- Der Rest geht fachgerecht zur Annahmestelle
Was die Hausverwaltung bei der Abnahme prüft
Besenrein heißt: alles raus, gefegt, keine Rückstände. Nicht gestrichen, nicht geputzt, keine Löcher verspachtelt - das sind getrennte Arbeiten und sollten im Mietvertrag geklärt sein, bevor jemand räumt.
Dübellöcher und Teppichkleber sind der häufigste Streitpunkt bei der Übergabe. Sagen Sie uns vorher, was der Vertrag verlangt; wir können Teppichboden entfernen und Dübel ziehen, das steht dann als eigene Zeile im Angebot.
Angesehen wird bei einer Abnahme meist in dieser Reihenfolge: Böden und Ecken, dann die Wände, dann Bad und Küche mit Fugen und Abflüssen, dann Fenster und Rollläden, zuletzt Keller, Dachbodenabteil und Briefkasten. Vergessen werden fast immer die Nebenräume, und genau dort kippt eine Übergabe. Wir nehmen Keller und Abteil deshalb von Anfang an in das Aufmaß, auch wenn am Telefon nur von der Wohnung die Rede war.
Rückwärts vom Abnahmetermin geplant
Jeder andere Weg geht schief. Wer vorwärts plant, legt den Räumtag auf den letzten freien Nachmittag und hat keinen Puffer mehr, wenn der Container später kommt oder ein zweiter Wagen gebraucht wird. Wir setzen deshalb zuerst das Datum der Abnahme und arbeiten von dort nach hinten.
Zwischen Räumtag und Abnahme sollten zwei Tage liegen. In diesen zwei Tagen passt alles hinein, was sich erst zeigt, wenn die Wohnung leer ist: der Fleck unter dem Schrank, die Leiste, die mitgeht, der Keller, an den niemand gedacht hat. Ist die Wohnung dagegen am Vormittag leer und am Nachmittag Abnahme, entscheidet das Wetter über Ihre Kaution.
Wer die Frist sehr knapp hat, soll das beim ersten Kontakt sagen und nicht beim Aufmaß. Wir sehen dann zuerst in den Kalender und nennen erst danach einen Betrag; ein Termin, den wir nicht halten können, nützt Ihnen nichts.
- Abnahmetermin notieren, so wie er in der Kündigung steht
- Zwei Tage Puffer davor freihalten, das ist der Reservetag
- Räumtag festlegen, bei großen Wohnungen zwei aufeinanderfolgende
- Aufmaß rund zwei Wochen vorher, danach steht der Betrag
- Eine Woche vorher: Grenzfälle mit der Verwaltung schriftlich klären
- Am Räumtag: Zählerstände, Fotos, Schlüssel einsammeln